Anfahr- und Bremsverzögerung einstellen | CV 3 & 4
Lassen Sie Rangierloks direkt reagieren, schwere Güterzüge langsam beschleunigen und Schnellzüge kontrolliert vor dem Signal ausrollen. Dieser Ratgeber erklärt CV 3, CV 4, abschaltbare Verzögerungen, Bremswege und die sichere Feinabstimmung für alle wichtigen Spurweiten.
Wie werden Anfahr- und Bremsverzögerung eingestellt?
Bei einem DCC-Lokdecoder wird die Anfahrverzögerung normalerweise in CV 3 und die Bremsverzögerung in CV 4 eingestellt. Ein höherer Wert sorgt in der üblichen Grundinterpretation für längeres Beschleunigen beziehungsweise längeres Abbremsen. Der Wert 0 schaltet die programmierte Verzögerung bei vielen DCC-Decodern aus.
Die beiden Werte dürfen unabhängig voneinander gewählt werden. Eine Rangierlok kann schnell auf den Regler reagieren und kurz bremsen. Eine schwere Güterzuglok darf langsamer beschleunigen und länger ausrollen. Bei einem Sounddecoder sollte die Einstellung außerdem zu Motorhochlauf, Schaltstufen, Bremsgeräusch und Lastwechsel passen.
Öffnen Sie in Ihrer Digitalzentrale die Lok- oder CV-Programmierung. Schreiben Sie zunächst kleine Testwerte, fahren Sie auf einer festgelegten Strecke und erhöhen Sie die Werte schrittweise. So erkennen Sie sofort, welche Änderung das gewünschte Ergebnis bringt.
Wichtige Abgrenzung
Eine Verzögerung behebt kein ruckelndes Anfahren
Ruckelt die Lok bereits in der ersten Fahrstufe, sollten zuerst Stromaufnahme, Mechanik, Anfahrspannung und Motorregelung geprüft werden. CV 3 legt die Dauer der Beschleunigung fest, beseitigt aber keine verschmutzten Räder oder ungeeigneten Motorparameter.
Passende Hersteller für die Einstellung des Fahrverhaltens
Die Grundfunktion von CV 3 und CV 4 ist weit verbreitet. Wertebereiche, Zeitfaktoren, Funktionstasten und zusätzliche Bremsverfahren können sich dennoch nach Decoderfamilie unterscheiden.
Was bewirken CV 3 und CV 4 im Decoder?
CV 3 – Anfahrverzögerung
CV 3 bestimmt, wie schnell der Decoder nach einer höheren Fahrstufenvorgabe beschleunigt. Kleine Werte reagieren direkt, größere Werte erzeugen einen langsameren Geschwindigkeitsaufbau.
CV 4 – Bremsverzögerung
CV 4 beeinflusst, wie schnell die interne Fahrstufe nach einer niedrigeren Reglerstellung sinkt. Der tatsächliche Bremsweg wird dadurch von Ausgangsgeschwindigkeit und Fahrzeug beeinflusst.
Wert 0 – direkte Reaktion
Bei der üblichen DCC-Grundfunktion bedeutet der Wert 0 keine programmierte Verzögerung. Für Rangier- und Diagnosefahrten ist das hilfreich, wirkt im normalen Zugbetrieb aber häufig unnatürlich.
Funktionstaste für ABV
Viele Decoder können die Verzögerungen per Funktionstaste abschalten. Häufig wird dafür F4 verwendet, die tatsächliche Zuordnung kann jedoch frei programmiert oder ab Werk anders belegt sein.
Zusätzliche Verzögerungssätze
Moderne Decoder können mehrere ABV-Sätze anbieten. So lässt sich beispielsweise zwischen Rangierfahrt, leichtem Personenzug und schwerem Güterzug umschalten.
Sound und Bremsgeräusch
Bei einem Sounddecoder beeinflusst eine passende Verzögerung, ob Motorhochlauf, Leerlauf, Lastwechsel und Bremsquietschen glaubwürdig abgespielt werden.
| Fahrzeug oder Betrieb | Anfahrverhalten | Bremsverhalten | Praktische Abstimmung |
|---|---|---|---|
| Rangierlok | Kurz und direkt | Kurz bis mittel | ABV für Rangierbewegungen per Funktionstaste abschaltbar machen. |
| Nebenbahntriebwagen | Kurz bis mittel | Mittel | Auf kurze Bahnsteige und häufige Halte abstimmen. |
| Schnellzuglok | Mittel | Mittel bis lang | Von realistischer Höchstgeschwindigkeit aus testen. |
| Schwere Güterzuglok | Lang | Lang | Langsame Lastaufnahme und große Zugmasse darstellen. |
| Dampflokomotive mit Sound | Mittel bis lang | Mittel | Dampfschläge, Lastwechsel und Bremsgeräusch gemeinsam prüfen. |
| Mehrfachtraktion | Möglichst gleich | Möglichst gleich | Alle beteiligten Decoder auf vergleichbare Zeiten abstimmen. |
Ungefähre Beschleunigungs- und Bremszeit berechnen
Der DCC-Grundstandard beschreibt für CV 3 einen Zeitfaktor von ungefähr 0,896 Sekunden je eingetragenem CV-Wert für den vollständigen Durchlauf aller Fahrstufen. CV 4 verwendet dieselbe Grundberechnung für die Verzögerung.
Ein Wert von 10 entspricht damit rechnerisch rund 8,96 Sekunden, ein Wert von 20 ungefähr 17,92 Sekunden. Diese Zeiten sind Richtwerte. Hersteller können eine andere Skalierung, interne Fahrstufen, zusätzliche Sanftanläufe, alternative ABV-Sätze oder besondere Bremsverfahren verwenden.
Entscheidend ist deshalb immer die Testfahrt. Messen Sie die Zeit vom Stillstand bis zur eingestellten Höchstgeschwindigkeit und den Bremsweg von einer klar festgelegten Fahrstufe bis zum Halt.
ABV-Zeitrechner
Unverbindlicher Richtwert für die DCC-Grundinterpretation.
Maßgeblich bleiben die Anleitung des Decoders und eine Testfahrt auf Ihrer Anlage. Der Rechner bildet keine konstanten Bremswege ab.
Anfahr- und Bremsverzögerung in acht Schritten abstimmen
Decoder und Anleitung bestimmen
Prüfen Sie Hersteller, Decoderfamilie und Digitalprotokoll. Lesen Sie nach, welche Wertebereiche für CV 3 und CV 4 gelten und ob weitere ABV-Sätze vorhanden sind.
Teststrecke festlegen
Markieren Sie einen Startpunkt und einen Haltepunkt. Die Strecke sollte gerade, sauber und lang genug sein, damit auch eine längere Bremsverzögerung beurteilt werden kann.
Technischen Zustand prüfen
Testen Sie die Lok zunächst mit sehr niedrigen Verzögerungswerten. Gleichmäßiges Langsamfahren, saubere Stromaufnahme und ein leichtgängiges Getriebe sind die Grundlage.
CV 3 vorsichtig erhöhen
Beginnen Sie mit einem kleinen Wert und fahren Sie bis zur üblichen Streckengeschwindigkeit. Erhöhen Sie CV 3 schrittweise, bis das Fahrzeug glaubwürdig beschleunigt.
CV 4 separat einstellen
Fahren Sie immer mit derselben Ausgangsgeschwindigkeit auf den markierten Bremsbereich zu. Passen Sie CV 4 an, bis die Lok am gewünschten Punkt zum Stillstand kommt.
Höchstgeschwindigkeit einbeziehen
Eine zu schnelle Lok benötigt trotz gleichem CV-Wert einen längeren Weg. Stimmen Sie deshalb zuerst die maximale Geschwindigkeit und danach die Bremsverzögerung ab.
Rangiermodus kontrollieren
Testen Sie, ob Rangiergang und ABV-Abschaltung auf der gewünschten Funktionstaste liegen. Die Funktionen dürfen nicht versehentlich Beleuchtung oder Sound überlagern.
Werte dokumentieren
Speichern Sie das Decoderprojekt oder notieren Sie Lokadresse, CV 3, CV 4, Höchstgeschwindigkeit und Funktionstaste für die ABV-Abschaltung.
Fahrverzögerungen bei H0, TT, N, Z, 0, 1 und G
CV 3 und CV 4 sind nicht an einen bestimmten Maßstab gebunden. Platzangebot, Zuglänge, Fahrzeugmasse und Anlagenabmessungen verändern jedoch den praktischen Eindruck.
| Spurweite | Typische Herausforderung | Empfohlener Test |
|---|---|---|
| Spur Z | Kurze Anlagenwege und besonders empfindliche Stromaufnahme | Mit kleinen Schritten arbeiten und Kontaktprobleme nicht mit hohen CV-Werten überdecken. |
| Spur N | Lange Züge auf kompakter Fläche | Bremsweg am längsten regelmäßig eingesetzten Zug ausrichten. |
| Spur TT | Guter Kompromiss aus Zuglänge und Platz | Rangier- und Streckenbetrieb mit getrennten ABV-Einstellungen prüfen. |
| Spur H0 | Sehr unterschiedliche Decoder, Zentralen und Zugarten | CV-Werte nach Fahrzeugklasse und Decoderfamilie dokumentieren. |
| H0e / H0m | Kurze Bahnhöfe, enge Radien und häufige Halte | Moderate Verzögerung mit sicherem Halt vor Weichen und Anlagenrand kombinieren. |
| Spur 0 | Hohe Fahrzeugwirkung und oft viele Zusatzfunktionen | Sound, Kupplung und Bremsgeräusch zusammen mit der Verzögerung abstimmen. |
| Spur 1 | Große Fahrzeuge mit langen Auslaufwegen | Ausreichend lange Teststrecke und Sicherheitsreserve vor dem Gleisende nutzen. |
| Spur G | Gartenbetrieb, große Motoren und wechselnde Zuglasten | Mit leichtem und schwerem Zug sowie auf Steigungen testen. |
Warum führt derselbe CV-Wert nicht immer zum gleichen Bremsweg?
Ausgangsgeschwindigkeit
Ein Zug, der mit hoher Geschwindigkeit in den Bremsvorgang geht, legt bei derselben Bremszeit mehr Strecke zurück als ein langsam fahrender Zug.
Höchstgeschwindigkeit
CV 5, die Fahrkennlinie oder die zentrale Geschwindigkeitsbegrenzung verändern den Bremsweg. Die Höchstgeschwindigkeit sollte deshalb zuerst festgelegt werden.
Zuglast und Mechanik
Die digitale Verzögerung steuert den Motor. Schwungmasse, Getriebe, Wagenwiderstand und Steigung beeinflussen trotzdem das sichtbare Fahrverhalten.
ABC-Bremsabschnitt
Geeignete DCC-Decoder erkennen eine asymmetrische Gleisspannung und bremsen im Abschnitt. Je nach Decoder wird CV 4 oder ein eigener konstanter Bremsweg genutzt.
DC- und Märklin-Bremsstrecke
Multiprotokolldecoder können auf Gleichspannungs-Bremsabschnitte reagieren. Aktivierung und Fahrtrichtung werden über zusätzliche Decoderparameter bestimmt.
Konstanter Bremsweg
Einige Decoder bieten eine besondere Bremswegfunktion in Zentimetern oder eine Kalibrierung. Diese Funktion ist nicht mit der einfachen Zeitverzögerung in CV 4 gleichzusetzen.
Probleme nach der Einstellung von CV 3 und CV 4 beheben
Die Lok reagiert weiterhin sofort
Prüfen Sie, ob die ABV über eine Funktionstaste ausgeschaltet ist. Kontrollieren Sie außerdem, ob der Schreibvorgang erfolgreich war und der Decoder CV 3 sowie CV 4 unterstützt.
Der Bremsweg ist viel zu lang
Reduzieren Sie zuerst die vorbildwidrige Höchstgeschwindigkeit und anschließend CV 4. Testen Sie immer von derselben Fahrstufe.
Die Lok hält nicht am gleichen Punkt
Eine reine Zeitverzögerung erzeugt keinen exakt konstanten Bremsweg. Unterschiedliche Geschwindigkeit, Last und Kontaktqualität verändern den Haltepunkt.
Die Lok ruckelt beim Losfahren
Setzen Sie CV 3 vorübergehend niedrig und prüfen Sie Anfahrspannung, Motorregelung, Räder, Schleifer und Getriebe. Erst danach wird die gewünschte Verzögerung ergänzt.
Das Bremsgeräusch fehlt
Manche Soundprojekte spielen das Bremsquietschen nur bei ausreichender Geschwindigkeit, deutlicher Verzögerung und Fahrstufe 0 ab.
Mehrfachtraktion verspannt sich
Gleichen Sie Höchstgeschwindigkeit, Kennlinie, CV 3 und CV 4 aller Lokomotiven an. Ein Decoder darf nicht deutlich schneller beschleunigen oder bremsen als der andere.
Zentralen, Programmer und Decoder für realistisches Fahrverhalten
Digitalzentralen ermöglichen die direkte CV-Programmierung, während herstellerspezifische Programmer komfortable grafische Einstellungen bieten. Bei einem neuen Decoder müssen Schnittstelle, Protokoll, Einbaumaße, Motorstrom und gewünschte Funktionen zum Modell passen.
Digitalzentralen und Programmiergeräte
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FAQ zur Anfahr- und Bremsverzögerung
Welche CV ist für die Anfahrverzögerung zuständig?
Bei DCC-Lokdecodern wird die normale Anfahrverzögerung üblicherweise in CV 3 eingestellt. Hersteller können zusätzliche Verzögerungssätze oder einen eigenen Sanftanlauf anbieten.
Welche CV steuert die Bremsverzögerung?
Die normale DCC-Bremsverzögerung wird in CV 4 gespeichert. Ein höherer Wert führt üblicherweise zu einer längeren Verzögerungszeit.
Was bedeutet der Wert 0 in CV 3 und CV 4?
In der NMRA-Grunddefinition bedeutet der Wert 0, dass keine programmierte Beschleunigungs- beziehungsweise Bremsverzögerung verwendet wird. Decoderanleitung und Zusatzfunktionen bleiben dennoch maßgeblich.
Welche Werte sind für eine Lok realistisch?
Einen universellen Wert gibt es nicht. Decoderhersteller verwenden unterschiedliche Skalierungen. Beginnen Sie niedrig und erhöhen Sie die Werte auf einer festgelegten Teststrecke in kleinen Schritten.
Warum ist der Bremsweg bei hoher Geschwindigkeit länger?
CV 4 legt normalerweise eine Verzögerungszeit fest. Ein schneller fahrender Zug legt innerhalb derselben Zeit eine längere Strecke zurück als ein langsam fahrender Zug.
Kann die Verzögerung mit einer Funktionstaste abgeschaltet werden?
Viele Lokdecoder bieten eine abschaltbare Anfahr- und Bremsverzögerung. Häufig wird F4 verwendet, die Taste kann jedoch durch Function Mapping anders zugeordnet sein.
Was ist der Unterschied zwischen Rangiergang und ABV-Abschaltung?
Der Rangiergang reduziert meist die Höchstgeschwindigkeit oder dehnt den unteren Fahrstufenbereich. Die ABV-Abschaltung entfernt die programmierte Zeitverzögerung. Beide Funktionen können gemeinsam geschaltet werden.
Wie wird ein konstanter Bremsweg eingestellt?
Ein konstanter Bremsweg ist eine zusätzliche Decoderfunktion und wird nicht allein über CV 4 erzeugt. Die benötigten CVs und eine mögliche Kalibrierung sind herstellerspezifisch.
Wirkt CV 4 auch in einer ABC-Bremsstrecke?
Das hängt vom Decoder und seiner Konfiguration ab. Manche Decoder nutzen die normale Bremsverzögerung, andere einen gesonderten konstanten Bremsweg oder zusätzliche Bremsparameter.
Warum fährt die Lok trotz hohem CV-3-Wert ruckartig an?
Dann liegt wahrscheinlich ein Problem mit Stromaufnahme, Mechanik, Anfahrspannung oder Motorregelung vor. Eine lange Anfahrverzögerung kaschiert den Fehler lediglich.
Wie stimme ich zwei Lokomotiven für Doppeltraktion ab?
Zuerst werden Mindest-, Mittel- und Höchstgeschwindigkeit angeglichen. Danach erhalten beide Fahrzeuge vergleichbare Anfahr- und Bremszeiten. Die Prüfung erfolgt gekuppelt und ungekuppelt.
Kann ich CV 3 und CV 4 auf dem Hauptgleis ändern?
Viele DCC-Decoder unterstützen Programming on Main. Für erste Versuche und unbekannte Fahrzeuge ist ein getrenntes Programmiergleis sicherer.
Mit passenden Verzögerungen wirkt jeder Zug glaubwürdiger
Weitere Anleitungen, Vergleiche, Decoderhilfen und Produktempfehlungen finden Sie im zentralen Modelleisenbahn-Ratgeber.